Die 10 besten Pop-Bands aller Zeiten: Von ABBA bis zu den Spice Girls – wer hat die Popmusik am stärksten geprägt?
Pop-Bands haben die Musiklandschaft der letzten Jahrzehnte massgeblich geprägt. Von den Tanzflächen der 1970er über die Hitparaden der 1990er bis hin zu den Streaming-Charts von heute — die besten Pop-Bands aller Zeiten haben Songs geschaffen, die Generationen verbinden. Wir stellen zehn Pop-Bands vor, die in jede Bestenliste gehören. Die Auswahl basiert auf Verkaufszahlen, kulturellem Einfluss, Langlebigkeit und dem einen entscheidenden Faktor, der sich nicht messen lässt: wie tief sich die Songs ins kollektive Gedächtnis gebrannt haben.
Eine Anmerkung vorab: Reine Solokünstler wie Michäl Jackson oder Madonna sind hier bewusst ausgeklammert — es geht um Pop-Bands und Pop-Gruppen. Und ja, die Grenzen zwischen Pop und Rock verschwimmen bei manchen Acts. Bands wie Queen oder die Beatles hätten durchaus auch einen Platz verdient, tauchen aber in unseren Rock-Artikeln ausführlich auf. Diese Liste konzentriert sich auf Acts, deren Schwerpunkt klar im Pop liegt.
1. ABBA — Die schwedische Hit-Maschine
Gründung: 1972 in Stockholm, Schweden. Mitglieder: Agnetha Fältskog, Björn Ulväus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad. Grösster Hit: “Dancing Queen” (1976), Platz 1 in 18 Ländern.
ABBA sind die erfolgreichste Pop-Band Skandinaviens und eine der meistverkauften Musikgruppen aller Zeiten. Mit geschätzten 385 Millionen verkauften Tonträgern stehen sie in einer Liga mit den Beatles und den Rolling Stones. Ihr Erfolg begann 1974 mit dem Sieg beim Eurovision Song Contest mit “Waterloo” — und hörte danach einfach nicht mehr auf. Songs wie “Mamma Mia”, “The Winner Takes It All”, “Gimme! Gimme! Gimme!” und “SOS” sind zeitlos.
Das Besondere an ABBA: Hinter den eingängigen Melodien steckten handwerklich brillante Produktionen, oft mit melancholischem Unterton. Benny Andersson und Björn Ulväus galten als eines der besten Songwriting-Duos der Popgeschichte. Ihre Fähigkeit, persönliche Trennungen (beide Ehen innerhalb der Band scheiterten) in große Pop-Songs zu verwandeln, ist bemerkenswert. “The Winner Takes It All” (1980) gilt als einer der emotionalsten Pop-Songs überhaupt — geschrieben von Björn über die Scheidung von Agnetha. Nach der Auflösung 1982 folgte 2021 mit “Voyage” ein überraschendes Comeback-Album. Das Musical “Mamma Mia!” (seit 1999) und die gleichnamigen Kinofilme hielten die Musik in der Zwischenzeit lebendig.
2. Bee Gees — Die Könige des Disco-Pop
Gründung: 1958 auf der Isle of Man (später in Australien aktiv). Mitglieder: Barry, Robin und Maurice Gibb. Grösster Hit: “Stayin’ Alive” (1977), eine der bekanntesten Singles aller Zeiten.
Die Brüder Gibb begannen als Teenie-Band in Australien, wandelten sich in den 1960ern zu Baroqü-Pop-Künstlern und wurden in den 1970ern zu den Architekten der Disco-Ära. Der Soundtrack zu “Saturday Night Fever” (1977) verkaufte sich über 40 Millionen Mal und machte die Bee Gees unsterblich. John Travolta tanzte sich in dem Film zum Weltstar — die Bee Gees lieferten die Musik dazu.
Doch die Band war weit mehr als Disco. In den 1960ern schrieben sie emotionale Balladen wie “To Love Somebody” und “Words”, in den 1980ern und 1990ern lieferten sie als Songwriter Hits für andere Künstler (darunter “Islands in the Stream” für Kenny Rogers und Dolly Parton, “Woman in Love” für Barbra Streisand, “Chain Reaction” für Diana Ross). Insgesamt trugen die Gibbs als Songwriter zu über 1000 Liedern bei. Die Bee Gees verkauften über 220 Millionen Tonträger. Nach dem Tod von Maurice (2003) und Robin (2012) ist Barry Gibb der letzte lebende Bruder — er tritt gelegentlich noch auf und wurde 2018 zum Ritter geschlagen.
3. Backstreet Boys — Die grösste Boyband der 1990er
Gründung: 1993 in Orlando, Florida, USA. Mitglieder: AJ McLean, Howie Dorough, Nick Carter, Kevin Richardson und Brian Littrell. Grösster Hit: “I Want It That Way” (1999), einer der ikonischsten Pop-Songs der 1990er.
Mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern sind die Backstreet Boys die erfolgreichste Boyband aller Zeiten — zumindest nach Verkaufszahlen. Ihr Aufstieg begann in Europa, wo sie bereits 1996 mit dem Album “Backstreet Boys” große Erfolge feierten, bevor der Durchbruch in den USA mit “Millennium” (1999) folgte. Allein dieses Album verkaufte sich im ersten Jahr über 40 Millionen Mal. Songs wie “Everybody (Backstreet’s Back)”, “As Long as You Love Me” und “Shape of My Heart” prägten den Sound einer ganzen Generation. Anders als viele Boyband-Konkurrenten blieben die Backstreet Boys zusammen und touren bis heute — mittlerweile seit über 30 Jahren.
4. Take That — Britains Lieblingsband
Gründung: 1990 in Manchester, England. Mitglieder (Original): Gary Barlow, Mark Owen, Howard Donald, Jason Orange und Robbie Williams. Grösster Hit: “Back for Good” (1995), Platz 1 in über 30 Ländern.
Take That gehören zu den wenigen Pop-Bands, die gleich zwei Karriere-Höhepunkte erlebten. In den frühen 1990ern waren sie die grösste Boyband Großbritanniens, mit Hits wie “Pray”, “Relight My Fire” und “Back for Good”. Die Auflösung 1996 — ausgelöst durch Robbie Williams’ Weggang und die Spannungen zwischen ihm und Gary Barlow — war ein Schock für Millionen Fans. In Großbritannien richteten Telefon-Seelsorgen extra Hotlines ein.
Doch 2005 folgte ein triumphales Comeback, zunächst ohne Williams. Das Album “Beautiful World” (2006) verkaufte sich über drei Millionen Mal allein im Vereinigten Königreich. 2010 kehrte auch Williams zurück, und das Album “Progress” wurde zum am schnellsten verkauften Album des 21. Jahrhunderts in Großbritannien. Bemerkenswert ist Gary Barlows Wandlung vom Boyband-Sänger zum anerkannten Songwriter und Produzenten. Auch ohne Williams und Orange (der 2014 ausstieg) füllen Take That als Trio noch immer britische Stadien. Insgesamt verkauften sie über 45 Millionen Tonträger.
5. Spice Girls — Girl Power als Popkultur-Phänomen
Gründung: 1994 in London, England. Mitglieder: Victoria Beckham (Posh), Melanie Brown (Scary), Emma Bunton (Baby), Melanie Chisholm (Sporty) und Geri Halliwell (Ginger). Grösster Hit: “Wannabe” (1996), Platz 1 in 37 Ländern.
Keine Pop-Band der 1990er dominierte die Popkultur so vollständig wie die Spice Girls. “Wannabe” war nicht einfach nur eine Debütsingle — es war ein Statement. Der Song erreichte in nahezu jedem Land der Welt Platz 1 und machte fünf junge Fraün aus England über Nacht zu globalen Superstars. Das Konzept der “Girl Power” — eine Mischung aus Feminismus-Light und Popkultur-Marketing — traf einen Nerv. Innerhalb von drei Jahren verkauften die Spice Girls über 85 Millionen Tonträger, veröffentlichten einen Kinofilm (“Spiceworld”, 1997) und wurden zu einer der einträglichsten Marken der Musikindustrie. Obwohl ihre aktive Phase kurz war (Geri Halliwell verliess die Gruppe 1998), bleibt ihr Einfluss spürbar. Die Reunion-Tour 2019 war innerhalb von Minuten ausverkauft.
6. *NSYNC — Teenagertraum mit Tiefgang
Gründung: 1995 in Orlando, Florida, USA. Mitglieder: Justin Timberlake, JC Chasez, Chris Kirkpatrick, Jöy Fatone und Lance Bass. Grösster Hit: “Bye Bye Bye” (2000), Top 5 weltweit.
*NSYNC standen immer im Schatten der Backstreet Boys, was die Verkaufszahlen betrifft. Doch in Sachen musikalische Ambition hatten sie oft die Nase vorn. Das Album “No Strings Attached” (2000) verkaufte in der ersten Woche 2,4 Millionen Exemplare — ein Rekord, der jahrelang Bestand hatte. Songs wie “It’s Gonna Be Me”, “Tearin’ Up My Heart” und “Gone” zeigten eine Band, die mehr wollte als nur die nächste Boyband-Formel abzuliefern. Besonders JC Chasez bewies stimmlich Klasse. Dass Justin Timberlake später eine der erfolgreichsten Solo-Karrieren der Popgeschichte hinlegte, überraschte nach *NSYNC niemanden. 2023 kamen die fünf für einen kurzen Moment bei den MTV VMAs wieder zusammen.
7. TLC — R&B-Pop auf höchstem Niveau
Gründung: 1991 in Atlanta, Georgia, USA. Mitglieder: Tionne “T-Boz” Watkins, Lisa “Left Eye” Lopes und Rozonda “Chilli” Thomas. Grösster Hit: “No Scrubs” (1999), Platz 1 in den USA.
TLC waren mehr als eine Pop-Gruppe — sie waren ein kulturelles Phänomen. Mit einer Mischung aus R&B, Hip-Hop und Pop schufen sie einen Sound, der Ende der 1990er Jahre den Mainstream dominierte. Das Album “CrazySexyCool” (1994) verkaufte sich allein in den USA über elf Millionen Mal und brachte mit “Waterfalls” und “Creep” zwei der definierenden Songs des Jahrzehnts hervor. “FanMail” (1999) setzte mit “No Scrubs” und “Unpretty” noch einen drauf. TLC sind die meistverkaufte amerikanische Girl-Group der Geschichte. Der tragische Tod von Lisa “Left Eye” Lopes bei einem Autounfall in Honduras im Jahr 2002 beendete die Band in ihrer Originalbesetzung. Watkins und Thomas treten gelegentlich noch gemeinsam auf und ehren damit das Vermächtnis einer einzigartigen Gruppe.
8. Destiny’s Child — Die Hitfabrik aus Houston
Gründung: 1990 (als Girl’s Tyme) in Houston, Texas, USA. Bekannteste Besetzung: Beyonce Knowles, Kelly Rowland und Michelle Williams. Grösster Hit: “Say My Name” (1999), Grammy-Gewinner und Nummer 1 in den USA.
Destiny’s Child gehören zu den erfolgreichsten Pop-Bands der Jahrtausendwende. Unter der strengen Führung von Mathew Knowles (Beyonces Vater und Manager) entwickelte sich die Gruppe von einer lokalen Talent-Show-Band zu einem globalen Phänomen. Songs wie “Jumpin’ Jumpin'”, “Bills, Bills, Bills”, “Survivor” und “Bootylicious” definierten den R&B-Pop der frühen 2000er. Das Album “Survivor” (2001) verkaufte sich weltweit über 15 Millionen Mal. Insgesamt kamen Destiny’s Child auf über 60 Millionen verkaufte Tonträger. Dass Beyonce später zur wohl einflussreichsten Künstlerin ihrer Generation wurde, ist bekannt. Aber auch Kelly Rowland hatte beachtliche Solo-Erfolge, und die drei traten 2018 beim Coachella-Festival überraschend gemeinsam auf.
9. Depeche Mode — Synthie-Pop als Lebenseinstellung
Gründung: 1980 in Basildon, England. Wichtigste Mitglieder: Dave Gahan (Gesang), Martin Gore (Songwriting, Gitarre, Keyboards) und Andrew Fletcher (Keyboards; verstorben 2022). Grösster Hit: “Enjoy the Silence” (1990), Top 10 weltweit.
Depeche Mode sind die Langstreckenläufer unter den Pop-Bands. Während andere Synthie-Pop-Acts der frühen 1980er längst vergessen sind, füllen Depeche Mode noch immer Stadien. Ihr Geheimnis: eine stetige Weiterentwicklung. Von den frühen, tanzbaren Elektro-Hits (“Just Can’t Get Enough”, 1981) über die düsteren, industriell angehauchten Alben der späten 1980er (“Violator”, “Music for the Masses”) bis hin zu den reiferen Werken der 2000er — die Band hat sich immer wieder neu erfunden.
“Violator” (1990) mit Songs wie “Enjoy the Silence”, “Personal Jesus” und “Policy of Truth” gilt als eines der besten Alben der Popgeschichte. Martin Gores Texte verbinden dunkle Themen — Glaube, Sucht, Kontrollverlust — mit eingängigen Melodien, und Dave Gahans markante Baritonstimme gibt dem Ganzen eine emotionale Tiefe, die über typischen Synthie-Pop hinausgeht. Weltweit verkauften Depeche Mode über 100 Millionen Tonträger. Besonders in Deutschland und Osteuropa geniessen sie einen geradezu kultischen Status. Das Konzert im Berliner Olympiastadion 2009 vor über 60.000 Fans gilt als eines der Highlights ihrer Karriere. Nach dem plötzlichen Tod von Andrew Fletcher im Mai 2022 tourten Gahan und Gore als Duo weiter — ein Zeichen dafür, dass Depeche Mode auch nach über 40 Jahren nicht aufzuhalten sind.
10. a-ha — Skandinaviens Antwort auf den Synthie-Pop
Gründung: 1982 in Oslo, Norwegen. Mitglieder: Morten Harket (Gesang), Paal Waaktaar-Savoy (Gitarre) und Magne Furuholmen (Keyboards). Grösster Hit: “Take On Me” (1985), Platz 1 in den USA.
a-ha werden oft auf “Take On Me” reduziert — den Song mit dem bahnbrechenden Animations-Musikvideo, das zu den meistgesehenen Clips der 1980er gehört und auf YouTube mittlerweile über 1,6 Milliarden Aufrufe zählt. Doch hinter dem norwegischen Trio steckt weit mehr. In Europa blieben a-ha über Jahrzehnte hinweg relevant. Das Album “Hunting High and Low” (1985) verkaufte sich über 11 Millionen Mal, und Nachfolgealben wie “Scoundrel Days” (1986) und “Stay on These Roads” (1988) lieferten weitere Hits.
Morten Harkets Stimme — klar, kraftvoll, mit einer erstaunlichen Höhe — ist eine der markantesten im Pop. Songs wie “The Sun Always Shines on TV”, “Cry Wolf” und “The Living Daylights” (der Titelsong zum James-Bond-Film von 1987) zeigen die Bandbreite der Gruppe. In Südamerika, Deutschland und Skandinavien füllen a-ha bis heute große Hallen. Beim Rock-in-Rio-Festival 1991 spielten sie vor 198.000 Menschen — ein Weltrekord für ein bezahltes Konzert, der erst Jahre später gebrochen wurde. Insgesamt verkauften sie über 55 Millionen Tonträger. Wer a-ha als One-Hit-Wonder abstempelt, hat schlicht nicht genau genug hingehört.
Pop-Bands, die die Musikwelt prägten
Was alle zehn Bands auf dieser Liste gemeinsam haben: Sie haben den Pop nicht nur bedient, sondern geformt. ABBA machten skandinavische Popmusik salonfähig, die Bee Gees erfanden sich ständig neu, und die Boyband-Welle der 1990er — angetrieben von Backstreet Boys, *NSYNC und Take That — veränderte die Musikindustrie grundlegend. Die Girl-Groups von TLC über die Spice Girls bis zu Destiny’s Child bewiesen, dass Pop-Bands nicht nur aus Männern bestehen müssen, und Acts wie Depeche Mode und a-ha zeigten, dass elektronische Musik und Mainstream-Erfolg kein Widerspruch sind.
Die Grenzen zwischen Pop und Rock sind dabei fliessend — und das war schon immer so. Pop lebt von Melodie, Eingängigkeit und dem Willen, möglichst viele Menschen zu erreichen. Wer sich für die rockigere Seite interessiert, findet bei uns ausführliche Artikel über Queen, die Beatles und weitere britische Bands, die den Grenzbereich zwischen Pop und Rock wie kaum jemand sonst beherrschten.