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Metallica: Wie Lars Ulrich und James Hetfield den Thrash Metal erfanden und zu den meistverkauften Bands der Rockgeschichte wurden

Von Johan Steppuhn · · 4 Min. Lesezeit
Heavy-Metal-Ästhetik mit dramatischen Kontrasten und kraftvoller Präsenz

Garage, Demos und ein Schlagzeuger aus Dänemark

Los Angeles, 1981. James Hetfield und Lars Ulrich — ein introvertierter Sänger aus Downey und ein ambitionierter Schlagzeuger mit dänischen Wurzeln — finden sich über eine Kleinanzeige. Weder der eine noch der andere passt so wirklich ins glitzernde Glam-Metal-Bild der Stadt. Genau das wird ihr größter Vorteil. Metallica klingen von Anfang an rauer, schneller, hungriger als die Konkurrenz.

Die frühe Besetzung ist instabil. Dave Mustaine, späterer Gründer von Megadeth, spielt Gitarre in diesen ersten Jahren — bis er 1983 wegen anhaltender Konflikte rausfliegt. Kein ruhiger Abgang, aber ein folgenreicher: Mustaine gründet Megadeth, und die Rivalität zwischen beiden Bands wird ein Kapitel für sich. Kirk Hammett, damals noch bei Exodus, übernimmt den Gitarrenposten. Die Lücke schließt sich schnell.

Kill ’em All bis Master of Puppets — die Blaupause des Thrash

Kill ’em All erscheint 1983 und schlägt wie ein Hammerstoß ein. Kein Album klingt zu diesem Zeitpunkt so kompromisslos. Ride the Lightning folgt 1984 und zeigt erstmals, dass Metallica mehr können als Tempo und Lärm — „Fade to Black” ist ein Gitarren-Meisterwerk mit echtem emotionalen Gewicht.

Dann, 1986: Master of Puppets. Wer den Titeltrack einmal gehört hat, versteht, warum er als einer der besten Metal-Songs aller Zeiten gilt. Das Album ist komplex, technisch, düster. Es ist kein leichter Hörgenuss — und genau deshalb wirkt es bis heute.

Bassist Cliff Burton ist in dieser Phase der heimliche Motor der Band. Sein musikalisches Denken, sein klassisch geschultes Gehör, seine Bereitschaft, Grenzen zu verschieben — all das prägt Metallicas Sound in diesen entscheidenden Jahren. Sein Tod im September 1986 bei einem Busunfall im schwedischen Ljungby trifft die Band schwer. Eine der dunkelsten Stunden in der Geschichte des Hard Rock.

Weitermachen — und das nicht ohne Reibung

Jason Newsted übernimmt den Bassposten noch im selben Jahr. …And Justice for All erscheint 1988 — ein Koloss von einem Album, technisch fordernd, politisch aufgeladen. Und der Bass? Kaum zu hören. Ob das Absicht war, ob es eine stille Botschaft an den Neuen bedeutete — darüber spekuliert die Fangemeinde bis heute. Newsted selbst hat sich zu diesem Thema unmissverständlich geäußert.

Der Abstand zwischen Thrash Metal und Hard Rock wirkt in diesen Jahren noch groß. Metallica werden ihn als erste wirklich überbrücken.

Das Schwarze Album — ein Meilenstein mit Konsequenzen

1991. Metallica — besser bekannt als das Black Album — erscheint und verändert alles. Produziert von Bob Rock, klingt es glatter, zugänglicher, kraftvoller im Radio-Sinne. Viele Thrash-Fans sind empört. Die restliche Welt kauft das Album: über 31 Millionen Exemplare weltweit, das meistverkaufte Rockalbum in der Geschichte der US-Charts.

„Enter Sandman”, „The Unforgiven”, „Nothing Else Matters” — drei Songs, die jeweils eine eigene Generation ansprechen. Ob man Metal liebt oder nicht, diese Platte hat man gehört. Das ist keine kleine Leistung.

Was folgt, ist komplizierter. Newsted verlässt die Band 2001. St. Anger erscheint 2003 und wird kontrovers diskutiert — der metallische Snare-Sound macht viele fassungslos. Robert Trujillo steigt 2003 als Bassist ein und gibt der Rhythmusfraktion wieder Stabilität.

Rückkehr, Bestätigung — und 72 neue Jahreszeiten

Death Magnetic (2008) ist eine deutliche Rückkehr: längere Songs, komplexere Strukturen, weniger Radioformat. Die Band besinnt sich auf das, was sie stark gemacht hat. 2009 folgt die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame — eine Bestätigung, auch wenn Metallica das vermutlich nie gebraucht haben.

72 Seasons erscheint 2023 und zeigt eine Band, die nichts mehr beweisen muss — und deshalb frei spielt. Wer sich fragt, wo Modern Metal herkommt, findet die Antwort spätestens bei Master of Puppets. Bands wie Black Sabbath haben das Fundament gelegt. Metallica haben darauf eines der lautesten Gebäude der Rockgeschichte errichtet.