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Deep Purple: Wie Smoke on the Water, Ian Gillan und Ritchie Blackmore den Hard Rock der 70er geprägt und für immer definiert haben

Von Johan Steppuhn · · 4 Min. Lesezeit
Klassisches 1970er-Rock-Porträt mit majestätischem Bühnenlicht

Wenige Bands haben den Hard Rock so grundlegend geprägt wie Deep Purple. Seit ihrer Gründung 1968 in London zogen sie eine Spur durch die Rockgeschichte, die bis heute nachwirkt – in jedem verzerrten Gitarrenriff, jedem stampfenden Schlagzeugbreak. Dabei waren sie nie bloß eine Band: Sie waren ein Experiment, ein Streit, eine Wiedergeburt.

Die Anfänge: London, 1968

Deep Purple formierten sich 1968 in Hertford, und das erste Album Shades of Deep Purple erschien noch im selben Jahr. Der Sound war damals noch weit entfernt vom späteren Donnern – psychedelische Einflüsse, Coverversionen, vorsichtiges Tasten. Ein Jahr später wagten sie das vielleicht ungewöhnlichste Experiment ihrer frühen Phase: Concerto for Group and Orchestra (1969), aufgenommen mit dem Royal Philharmonic Orchestra. Klassik trifft Rock. Die Kritiker wussten nicht, was sie damit anfangen sollten. Das Publikum auch nicht — aber es war mutig.

Was folgte, war der Bruch. Das klassische Mark II-Lineup formierte sich, und mit ihm ein völlig neuer Klang.

Das Goldene Zeitalter: Mark II

Ian Gillan am Mikrofon, Ritchie Blackmore an der Gitarre, Roger Glover am Bass, Jon Lord an der Hammond-Orgel, Ian Paice am Schlagzeug. Dieses Quintett definierte, was Deep Purple sein würde. Deep Purple in Rock (1970) war der Durchbruch: hart, kompromisslos, mit einem Gitarren-Orgel-Dialog, den es so noch nicht gegeben hatte.

Fireball (1971) legte nach. Schneller, aggressiver – und trotzdem nie ohne diese klassische Ader, die Jon Lord in alles hineintrug. Gillan sang in dieser Zeit auch die Titelrolle in der Originalaufnahme von Jesus Christ Superstar (1970), was zeigt, wie weit sein stimmliches Spektrum reichte.

Machine Head und Smoke on the Water

1972 erschien Machine Head – und damit der vielleicht bekannteste Gitarren-Riff der Rockgeschichte. „Smoke on the Water” entstand unter direkten Umständen: Beim Frank Zappa-Konzert im Montreux Casino brannte das Casino, die Band beobachtete den Brand vom gegenüberliegenden Seeufer aus. Der Riff, den Blackmore daraus entwickelte, wurde zu einem der meistgespielten weltweit — in jeder Gitarrenstunde, in jedem Musikgeschäft der Welt.

Das Album wurde in einem Rollwagen-Studio auf einem Parkplatz in Montreux eingespielt. Improvisiert, dreckig, großartig. Machine Head ist das Destillat dessen, was Deep Purple konnten: Energie und Struktur gleichzeitig.

Ein Jahr später kam Made in Japan (1973). Das Doppel-Live-Album gilt bis heute als eines der besten Live-Alben der Rockgeschichte – ungefiltert, lang, mit Solos, die sich Raum nehmen, den sich heute kaum noch eine Band traut.

Jon Lord: Das Orgelgenie

Ohne Jon Lord hätte Deep Purple nie geklungen wie Deep Purple. Seine Hammond-Orgel war nicht Beiwerk – sie war Widerpart zur Gitarre, manchmal dominanter als Blackmores Riffs. Lord brachte klassische Harmonik in einen Kontext, der sie eigentlich nicht wollte, und machte genau das zum Markenzeichen der Band.

Diese Verbindung von Rock und klassischer Musik war kein Zufall. Lord verfolgte sie sein ganzes Leben – bis zu seinem Tod 2012 arbeitete er an orchestralen Projekten. In Deep Purple hatte er den idealen Resonanzboden gefunden: Musiker, die laut genug spielten, um mit ihm mitzuhalten.

Auflösung, Comebacks und das Vermächtnis

Blackmore verließ die Band 1975 und gründete Rainbow – ein Projekt, das den symphonischen Hard Rock auf eigene Weise fortsetzte. Deep Purple löste sich auf, fand sich neu, wechselte Besetzungen. Perfect Strangers (1984) war das Comeback des Mark II-Lineups und bewies, dass die Chemie nicht verschwunden war.

Neben Black Sabbath und Led Zeppelin gelten Deep Purple als eine der drei prägenden Kräfte des Heavy Metal — Bands wie Metallica oder Iron Maiden wären ohne sie nicht denkbar. 2016 wurden sie in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Zu spät, fanden viele. Verdient, ohne Frage.

Was bleibt, ist mehr als ein Riff. Es ist eine Haltung: Klassik und Lärm schließen sich nicht aus. Manchmal braucht man beides.