Die ikonischsten Gitarren-Riffs der Rockmusik: Von Smoke on the Water bis Sweet Home Alabama – die Riffs, die Geschichte schrieben
Manche Riffs brauchen drei Noten. Andere sechs. Aber alle teilen eines: Man hört sie einmal, und sie sind für immer da. Im Kopf. Im Körper. In der Kulturgeschichte. Was einen Gitarren-Riff unsterblich macht, lässt sich kaum in einer Formel fassen — es ist der Moment, in dem Technik, Emotion und purer Zufall zusammentreffen. Oft entstand das Größte aus dem Nichts: eine schlaflose Nacht, ein brennendes Casino, ein verlorener Finger. Hier sind zehn Riffs aus der Geschichte des Hard Rock, die mehr erzählen als ihre Noten.
1. Deep Purple – „Smoke on the Water” (1972)
Der wohl bekannteste Riff der Welt entstand an einem Dezemberabend 1971 in Montreux. Deep Purple wollten im Montreux Casino aufnehmen — Frank Zappa spielte dort gerade ein Konzert, als ein Besucher eine Leuchtrakete abfeuerte und das Gebäude in Brand geriet. Die Band beobachtete das Inferno vom Hotel aus, Ritchie Blackmore griff zur Gitarre. Was er spielte, war spontan. Vier Töne, eine kleine Terz, und schon war Geschichte geschrieben. Der Riff klingt wie Schutt und Rauch. Kein Zufall.
2. Led Zeppelin – „Whole Lotta Love” (1969)
Jimmy Page wollte keinen sauberen Blues. Er wollte etwas Schmutziges, Bedrohliches — und er bekam es. Der Riff zu „Whole Lotta Love” ist schwerfällig und sexy zugleich, eine Mischung aus Chicago-Blues und etwas, das 1969 noch keinen Namen hatte. Besonders der Mittelteil ist heute noch verstörend aktuell: Robert Plant schreit, John Bonham hämmert, und über allem liegt Theremin-Feedback. Ein früher Ausflug in die Psychedelia — mitten im Hardrock-Riff versteckt.
3. AC/DC – „Back in Black” (1980)
Angus Young hat wenige Noten genommen und daraus Ewigkeit gebaut. Der Riff zu „Back in Black” ist minimalistisch bis zur Grenze — und trotzdem unwiderstehlich. Das Album erschien kurz nach dem Tod von Bon Scott, dem Frontsänger, den die Band wie einen Bruder verloren hatte. „Back in Black” war gleichzeitig Neuanfang und Trauerbewältigung. Brian Johnson übernahm den Mikrofon-Stand. Der Rest ist Plattenverkaufsgeschichte: Über 50 Millionen Exemplare, eines der meistverkauften Alben aller Zeiten.
4. Jimi Hendrix – „Purple Haze” (1967)
Musiktheoretiker haben einen Namen für das Intervall, das „Purple Haze” eröffnet: Tritonus. Im Mittelalter nannte man es Diabolus in Musica — den Teufel in der Musik. Kirchenmänner verboten es. Jimi Hendrix baute seinen Eröffnungsriff darauf. Was folgt, ist ein Mix aus Feedback, Verzerrung und einem Gitarrenspiel, das 1967 niemand zuvor so gehört hatte. Hendrix behandelte den Verstärker als Instrument, den Lärm als Komposition. „Purple Haze” war in vielerlei Hinsicht der erste Moment, in dem Lärm als Kunst anerkannt wurde.
5. The Rolling Stones – „(I Can’t Get No) Satisfaction” (1965)
Es war zwei Uhr nachts. Keith Richards wachte auf, hatte eine Melodie im Kopf, griff zum Kassettenrekorder auf seinem Nachttisch und spielte den Riff ein. Dann schlief er wieder. Als er morgens aufwachte, hatte er den Riff halb vergessen — der Rekorder hatte ihn gespeichert. Die Aufnahme enthielt 30 Sekunden Musik und 45 Minuten Schnarchen. Richards selbst mochte den Song zunächst nicht als Single — er fand ihn zu simpel. Mick Jagger überzeugte ihn. Heute gilt „Satisfaction” als einer der definitivsten Momente der Popgeschichte.
6. Guns N’ Roses – „Sweet Child O’ Mine” (1987)
Slash wollte keinen Song. Er wollte die Finger lockern. Was er in jenem Proberaum 1987 spielte, war für ihn eine reine Übung — ein melodischer Lauf, den er selbst als „dämlich” bezeichnete. Axl Rose hörte es durch die Wand und bestand auf einem vollständigen Song. Slash war skeptisch. Die restliche Band auch. Duff McKagan schrieb eine Basslinie dazu, Izzy Stradlin ergänzte Rhythmusgitarre. Dann schrieb Axl den Text über seine damalige Freundin Erin Everly. Aus einer Fingerübung wurde eine der kommerziell erfolgreichsten Rockballaden der 1980er.
7. Nirvana – „Smells Like Teen Spirit” (1991)
Kurt Cobain wollte einen Pixies-Song schreiben. Das gestand er selbst in mehreren Interviews — er liebte die Dynamik der Band, dieses leise-laut-leise-Prinzip, und versuchte es zu kopieren. Was herauskam, war etwas anderes. Der Riff zu „Smells Like Teen Spirit” ist sperriger als alles, was die Pixies je geschrieben haben. Er klingt gleichzeitig nach Hymne und Verweigerung. Dave Grohl lieferte das Schlagzeug, das den Song in eine andere Liga hob. Mit der Veröffentlichung am 10. September 1991 begann der kommerzielle Durchbruch des Grunge — ob die Band das wollte oder nicht.
8. Black Sabbath – „Iron Man” (1970)
Tony Iommi hatte bei einem Arbeitsunfall in einer Metallfabrik die Spitzen zweier Finger verloren — Mittelfinger und Ringfinger der linken Hand. Er galt als ausgesorgt als Gitarrist. Stattdessen baute er sich Prothesen aus Leder und Plastik, stimmte seine Gitarre tiefer, damit die Saiten weniger Spannung hatten, und entwickelte einen Stil, den heute jeder erkennt. Der Black Sabbath-Riff zu „Iron Man” ist langsam, schwer, bedrohlich — und nur möglich, weil Iommi mit Schmerzen und Improvisation umgehen lernte. Ohne den Unfall kein Doom Metal.
9. Chuck Berry – „Johnny B. Goode” (1958)
Bevor es Rockriffs gab, gab es Chuck Berry. „Johnny B. Goode” erschien 1958 und definierte, wie eine Gitarre im Rock klingen soll: präzise, treibend, eingängig. Das Eröffnungs-Riff ist eine Blaupause für alles, was danach kam — Keith Richards hat es gestohlen, Jimmy Page hat sich daran orientiert, und Generationen von Gitarrenschülern haben ihre ersten Akkorde daran geübt. 1977 schoss die NASA den Song auf einer Goldplatte ins All, als Teil der Voyager-Botschaft an mögliche außerirdische Zivilisationen. Rock als universale Sprache. Buchstäblich.
10. Metallica – „Enter Sandman” (1991)
Kirk Hammett hat sich oft dafür rechtfertigen müssen, dass „Enter Sandman” zu zugänglich klingt für Metallica. Zu glatt. Zu radiofähig. Daran ist etwas Wahres — das Riff ist direkt, eingängig, ohne die Komplexität früherer Alben. Aber genau das war die Entscheidung. Das Black Album wollte breit wirken. Es wollte Stadien füllen. „Enter Sandman” öffnete die Tür zu einem Publikum, das zuvor niemals eine Thrash-Metal-Platte gekauft hätte. Das Riff ist die Einladung. Und 30 Millionen verkaufte Alben zeigen: Die Einladung wurde angenommen.