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Black Sabbath: Wie Ozzy Osbourne, Tony Iommi und ein Gitarren-Unfall in Birmingham den Heavy Metal erfanden

Von Johan Steppuhn · · 3 Min. Lesezeit
Düstere mystische Heavy-Metal-Kunstwerk mit düsterem Ambiente

Birmingham, 1968 — Stahl, Ruß und ein neuer Sound

Kein anderes Quartett hat die Rockmusik so gründlich umgekrempelt wie vier Jungs aus dem Arbeiterviertel Aston in Birmingham. Tony Iommi, Ozzy Osbourne, Geezer Butler und Bill Ward gründeten Black Sabbath 1968 in einer Stadt, die vom Lärm der Schwerindustrie geprägt war. Fabrikschlote, Schichtarbeit, graue Tage. Dieser Hintergrund ist kein Zufall — er ist Bauplan.

Birmingham war kein London. Kein Glamour, keine Bohème. Was die Stadt erzeugte, war ein Gefühl von Enge und Schwere, das direkt in die Musik einsickerte. Hard Rock hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seine Strukturen. Black Sabbath sprengten sie.

Tony Iommi und die Geburt eines Sounds

Die Geschichte hat einen Dreh, der fast zu dramatisch klingt, um wahr zu sein — und trotzdem wahr ist. Tony Iommi verlor bei einem Arbeitsunfall in einer Blechfabrik die Spitzen des Mittel- und Ringfingers der rechten Hand. Für einen Gitarristen ist das ein potenziell karriereendendes Ereignis. Iommi reagierte anders. Er stimmte seine Gitarre tiefer, baute sich Prothesen aus Leder und Plastikmaterial für die betroffenen Finger und entwickelte aus dieser Not heraus einen Gitarrenstil, den es vorher nicht gab.

Tiefer, schwerer, dunkler. Die Riffs, die aus diesem Zwang entstanden, klingen nach Beton und Gewitter. Gitarren-Riffs, die seither in unzähligen Variationen kopiert wurden — keiner hat sie so hinbekommen wie Iommi selbst.

Die klassischen Alben — ein Jahrzehnt in Meilensteinen

1970 erschienen innerhalb eines Jahres zwei Alben, die den Kurs der Rockmusik dauerhaft veränderten. Das selbstbetitelte Debüt Black Sabbath erschien im Februar 1970. Im September folgte Paranoid — und damit gleich mehrere Klassiker auf einmal. „War Pigs”, „Paranoid”, „Iron Man”. Drei Songs, die heute Jahrzehnte später noch in Arenen gespielt werden.

„Iron Man” ist dabei besonders bezeichnend. Iommi entwickelte den Riff trotz fehlender Fingerkuppen — das klingt wie ein Widerspruch, ist aber Fakt. Das Ergebnis ist einer der bekanntesten Gitarrenriffs der Musikgeschichte.

Master of Reality (1971) schraubte die Gitarren noch weiter herunter. Vol. 4 (1972) und Sabbath Bloody Sabbath (1973) zeigten eine Band, die sich nicht wiederholte. Jedes Album eine eigene Welt.

Dunkle Themen als Kunstform

Okkultismus, Krieg, Paranoia, Tod. Die Texte von Black Sabbath bewegten sich weit abseits des Flower-Power-Zeitgeists. Geezer Butler, der Haupttexter der Band, griff nach Themen, die andere Musiker ignorierten oder fürchteten. Das war keine Marketing-Strategie. Das war Ausdruck einer bestimmten Weltsicht — einer, die im industriellen Grauen Birminghams wurzelte.

Kritiker der frühen Jahre taten Black Sabbath als billiges Horror-Theater ab. Sie lagen falsch. Was die Band betrieb, war eine konsequente ästhetische Haltung: Schwere als Aussage, Dunkelheit als Spiegel der Realität.

Ozzy, Dio — und das Danach

1979 trennte sich die Band von Ozzy Osbourne. Der Bruch war turbulent. Osbourne startete eine erfolgreiche Solokarriere. Black Sabbath verpflichteten Ronnie James Dio — und bewiesen damit, dass die Essenz der Band nicht an einer einzelnen Stimme hing. Heaven and Hell (1980) war kein Rückzugsgefecht. Es war ein neues Kapitel.

Die Tour „The End” (2016–2017) setzte den Schlusspunkt: Am 4. Februar 2017 spielten Iommi, Osbourne, Butler und Ward ihr letztes gemeinsames Konzert im Original-Lineup — in Birmingham. Dort, wo alles begonnen hatte.

Das Vermächtnis

2006 wurden Black Sabbath in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Eine Anerkennung, die längst überfällig war. Ihr direkter Einfluss reicht in Doom Metal, Death Metal, Thrash Metal und Stoner Rock. Bands wie Metallica haben offen erklärt, ohne Black Sabbath nicht existiert zu haben. Auch Deep Purple teilten sich zeitweise die Bühne dieser Ära — doch der Erfindungsanspruch des Heavy Metal gehört eindeutig nach Aston, Birmingham.