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Nirvana und der Grunge: Wie Kurt Cobain, Smells Like Teen Spirit und Nevermind eine Generation prägten

Von Johan Steppuhn · · 15 Min. Lesezeit

Am 10. September 1991 änderte sich alles. Ein verzerrtes Gitarrenriff, vier krachende Schlagzeugtakte und dann Kurt Cobains gelangweilter Gesang: “Load up on guns, bring your friends.” Mit “Smells Like Teen Spirit” fegte Nirvana die Hair-Metal-Bands der 1980er hinweg und leitete eine musikalische Revolution ein, die das gesamte Jahrzehnt prägen sollte. Wir werfen einen Blick auf die Geschichte, die Mitglieder und das Vermächtnis der Band, die den Grunge erfand – oder zumindest der Welt zugänglich machte.

Nirvana existierten in ihrer bekanntesten Besetzung nur vier Jahre: von 1990, als Dave Grohl einstieg, bis zu Kurt Cobains Tod im April 1994. In dieser kurzen Zeit veröffentlichten sie zwei Studioalben und ein MTV-Unplugged-Konzert, die alle drei zu den wichtigsten Musikaufnahmen des 20. Jahrhunderts zählen. “Nevermind” allein verkaufte sich über 30 Millionen Mal weltweit – und machte eine Band aus dem Nichts zum Sprachrohr einer ganzen Generation.

Nirvanas Geschichte ist auch die Geschichte von Kurt Cobain: einem brillanten, gequälten Songwriter, der nie mit dem Ruhm klarkam, den er sich selbst erarbeitet hatte. Sein Selbstmord am 5. April 1994 beendete nicht nur eine Band, sondern eine ganze Ära. Die Nachwirkungen sind bis heute spürbar – in der Musik, in der Mode, in der Art, wie die Gesellschaft über psychische Gesundheit spricht. Die Geschichte des Rock kennt wenige Brüche, die so schmerzhaft und so einschneidend waren.

Gründung und Anfänge von Nirvana

Die Stadt Aberdeen im US-Bundesstaat Washington ist ein trostloser Ort: eine ehemalige Holzfällerstadt am Pazifik, geprägt von Arbeitslosigkeit, Regen und einer Tristesse, die sich in der Musik ihrer berühmtesten Söhne widerspiegelt. Hier wurde Kurt Donald Cobain am 20. Februar 1967 geboren. Seine Kindheit war schwierig: Die Scheidung seiner Eltern 1975, als Kurt sieben war, traumatisierte ihn tief. Er wurde zwischen Verwandten hin- und hergeschoben und fand Zuflucht in der Musik und der Kunst.

Mit 14 bekam Cobain seine erste Gitarre – am Tag seines Geburtstags stand die Entscheidung fest: Musik oder nichts. In Aberdeen lernte er den drei Jahre älteren Krist Novoselic kennen, dessen Familie aus Kroatien stammte. Die beiden teilten die Liebe zu Punk-Bands wie den Melvins, Black Flag und den Pixies. 1987 gründeten sie eine Band, die nach mehreren Namenswechseln – Skid Row, Pen Cap Chew, Bliss – schließlich Nirvana hieß. Ein Name, der die buddhistische Vorstellung vom Ende allen Leidens beschreibt – eine bittere Ironie angesichts Cobains späterem Schicksal.

Die Anfänge waren bescheiden. Cobain und Novoselic spielten in Wohnzimmern, Garagen und kleinen Clubs der Region. Ein fester Schlagzeuger fehlte lange. Chad Channing, Dale Crover (von den Melvins), Dave Foster und Aaron Burckhard wechselten sich ab. Die Musik war eine rohe Mischung aus Punk-Energie und Pop-Melodien – laut, chaotisch und ungeschliffen, aber mit einem songwriterischen Talent, das aus jedem Lärm herausstach.

Sub Pop und “Bleach” (1989)

1988 unterschrieben Nirvana beim Independent-Label Sub Pop in Seattle, dem Epizentrum der aufkeimenden Grunge-Szene. Sub Pop hatte bereits Mudhoney, Soundgarden und die Melvins unter Vertrag. Am 15. November 1988 erschien die erste Nirvana-Single “Love Buzz / Big Cheese” in einer limitierten Auflage von 1.000 Exemplaren – heute ein begehrtes Sammlerstück.

Im Juni 1989 folgte das Debütalbum “Bleach”, benannt nach einem Slogan auf einem Anti-Drogen-Plakat (“Bleach your works” – eine Aufforderung, Spritzen zu desinfizieren). Aufgenommen in 30 Stunden für gerade einmal 606,17 Dollar, ist “Bleach” ein rohes, schweres Album mit klaren Punk- und Metal-Einflüssen. Songs wie “Blew”, “About a Girl” (das McCartneys Songwriting-Einfluss auf Cobain zeigt) und “School” wurden zu College-Radio-Hits. “Bleach” verkaufte sich zunächst bescheiden – knapp 40.000 Exemplare in den ersten zwei Jahren. Nach dem Erfolg von “Nevermind” stiegen die Verkaufszahlen auf über 1,7 Millionen allein in den USA.

Die Nirvana Mitglieder

Nirvana bestanden in ihrer klassischen und bekanntesten Besetzung aus drei Mitgliedern. Diese Dreier-Formation war kompakt, explosiv und perfekt aufeinander abgestimmt – ein Power-Trio, das die Musikwelt auf den Kopf stellte.

Kurt Cobain (1967–1994) – Gesang und Gitarre

Kurt Donald Cobain, geboren am 20. Februar 1967 in Aberdeen, Washington, war das kreative Zentrum von Nirvana. Sein Songwriting verband die rohe Wut des Punk mit eingängigen Pop-Melodien – eine Kombination, die vor ihm niemand so konseqünt verfolgt hatte. Cobain konnte kaum Noten lesen und beherrschte sein Instrument nur rudimentär, aber genau das war seine Stärke: Seine Gitarrenparts waren so einfach und direkt, dass sie wie ein Schlag in den Magen wirkten.

Textlich bewegte sich Cobain zwischen kryptischer Pösie und schmerzhafter Ehrlichkeit. Songs wie “Lithium”, “All Apologies” und “Heart-Shaped Box” handeln von Entfremdung, Depression und dem verzweifelten Wunsch nach Zugehörigkeit. Cobain litt unter chronischen Magenschmerzen (wahrscheinlich eine undiagnostizierte Skoliose und ein eingeklemmter Nerv), die ihn zum Heroinkonsum trieben – zunächst als Selbstmedikation, später als Sucht, die sein Leben zerstörte.

Am 5. April 1994 nahm sich Kurt Cobain in seinem Haus in Seattle das Leben. Er wurde 27 Jahre alt – ein weiteres Mitglied des tragischen “Club 27”. Sein Abschiedsbrief endete mit den Worten: “It’s better to burn out than to fade away” – ein Zitat aus Neil Youngs “My My, Hey Hey”. Cobains Tod erschütterte eine ganze Generation und machte ihn zu einer der tragischsten Figuren der Rockgeschichte.

Krist Novoselic (*1965) – Bass

Krist Anthony Novoselic, geboren am 16. Mai 1965 in Compton, Kalifornien, aufgewachsen in Aberdeen, war Cobains engster musikalischer Partner und Mitgründer von Nirvana. Der 1,98 Meter große Bassist war auf der Bühne eine imposante Erscheinung, die seinen Bass regelmäßig in die Luft warf – bei den MTV Video Music Awards 1992 traf er sich selbst am Kopf und sackte kurzzeitig zusammen. Sein Bassspiel war melodisch und kraftvoll und gab Nirvanas Songs ihr Fundament.

Nach Nirvanas Ende engagierte sich Novoselic politisch und setzte sich für Wahlrechtsreform ein. Musikalisch war er in verschiedenen Projekten aktiv, darunter Sweet 75, Eyes Adrift und Giants in the Trees. Er veröffentlichte 2004 das Buch “Of Grunge and Government: Let’s Fix This Broken Democracy”. Novoselic lebt heute auf einer Farm im Bundesstaat Washington.

Dave Grohl (*1969) – Schlagzeug

David Eric Grohl, geboren am 14. Januar 1969 in Warren, Ohio, stieß im September 1990 zu Nirvana – und veränderte damit alles. Zuvor hatte er bei der Hardcore-Punk-Band Scream Schlagzeug gespielt. Als diese sich auflöste, empfahl Buzz Osborne von den Melvins Grohl an Cobain und Novoselic. Die erste Probe war ein Meilenstein: Grohls Schlagzeugspiel – brachial, präzise und mit einem Punch, den keiner seiner Vorgänger hatte – gab Nirvana den fehlenden Baustein.

Grohl war auch als Songwriter talentiert, durfte aber in Nirvana kaum eigene Songs einbringen – Cobain war die unangefochtene kreative Kraft. Nur “Marigold” (eine B-Seite) stammt aus Grohls Feder. Nach Cobains Tod gründete Grohl die Foo Fighters, die zu einer der erfolgreichsten Rockbands der folgenden drei Jahrzehnte wurden. Grohl spielte bei den Foo Fighters zunächst alle Instrumente selbst ein und entwickelte sich vom Schlagzeuger zum Frontmann, Sänger und Gitarristen. Er ist damit einer der wenigen Musiker, die in zwei verschiedenen Bands Weltruhm erlangten.

Frühere Schlagzeuger

Vor Dave Grohl spielten mehrere Schlagzeuger bei Nirvana. Der wichtigste war Chad Channing (*1967), der auf “Bleach” trommelte und die Band von 1988 bis 1990 begleitete. Sein leichteres, zurückhaltenderes Spiel passte zum rohen Sound des Debüts, konnte aber die Wucht nicht liefern, die Cobain sich für die Zukunft vorstellte. Dale Crover von den Melvins sprang mehrfach als Live-Schlagzeuger ein und spielte auf Nirvanas allererster Demoaufnahme. Dan Peters von Mudhoney war für genau ein Konzert und eine Single (“Sliver”) Nirvanas Schlagzeuger, bevor Grohl seinen Platz einnahm.

“Nevermind” (1991) – Das Album, das alles veränderte

Im Frühjahr 1990 wechselten Nirvana vom Independent-Label Sub Pop zum Major-Label DGC Records (einem Sublabel von Geffen). Produzent Butch Vig wurde engagiert, um das zweite Album aufzunehmen. Die Sessions fanden im Sound City Studio in Van Nuys, Kalifornien, statt – demselben Studio, in dem Fleetwood Macs “Rumours” entstanden war. Die Kosten lagen bei rund 120.000 Dollar – ein Vielfaches von “Bleach”, aber nach Major-Label-Maßstäben immer noch bescheiden.

“Nevermind” erschien am 24. September 1991. DGC Records erwartete bescheidene Verkäufe – die Erstpressung lag bei 46.251 Exemplaren. Innerhalb weniger Wochen explodierten die Zahlen. “Smells Like Teen Spirit” – von MTV in Heavy Rotation gespielt – wurde zum unwahrscheinlichsten Hit des Jahres. Ein Song, dessen Text kaum zu verstehen ist, dessen Riff von den Pixies’ “Loud-Quiet-Loud”-Dynamik und Boston’s “More Than a Feeling” inspiriert war, und dessen Musikvideo eine verstörende Highschool-Pep-Rally zeigt.

Am 11. Januar 1992 verdrängte “Nevermind” Michäl Jacksons “Dangerous” von Platz 1 der US-Billboard-Charts. Es war ein symbolischer Moment: Der König des Pop wurde vom König des Grunge entthront. Bis heute hat sich “Nevermind” weltweit über 30 Millionen Mal verkauft. Neben “Smells Like Teen Spirit” enthält das Album weitere Meilensteine: “Come as You Are” mit seinem hypnotischen Gitarren-Riff, das schwermütige “Lithium”, die rohe Punk-Nummer “Territorial Pissings” und die ergreifende Ballade “Something in the Way”.

Cobains Unbehagen mit dem Ruhm

Der Erfolg traf Nirvana völlig unvorbereitet. Cobain, der sich als Punk und Außenseiter verstand, wurde über Nacht zum Megastar – eine Rolle, die er verachtete. Er begann, bei Live-Konzerten bewusst die populären Songs zu sabotieren, trug T-Shirts mit provokativen Aufschriften und gab Interviews, in denen er den Mainstream-Erfolg als Fluch bezeichnete. “Ich wollte nie den Anschein erwecken, als sei ich eine Stimme einer Generation”, sagte er dem Rolling Stone. “Das war nie mein Job.”

“In Utero” (1993) und MTV Unplugged (1994)

“In Utero” – Der bewusste Anti-Hit

Für das dritte Album engagierte Nirvana bewusst den für seinen abrasiven Sound bekannten Produzenten Steve Albini (Pixies, PJ Harvey). Das Ziel: ein Album, das so roh und unkommerziell klingen sollte, dass die Mainstream-Fans abgeschreckt würden. “In Utero”, veröffentlicht am 13. September 1993, ist tatsächlich aggressiver und ungeschliffener als “Nevermind”. Songs wie “Scentless Apprentice”, “Milk It” und “tourette’s” sind brachiale Punk-Attacken.

Doch auch hier konnte Cobain sein melodisches Talent nicht verleugnen: “Heart-Shaped Box” mit seinem quälenden Refrain, “All Apologies” als resignierte Abschiedsgeste und “Rape Me” als beißende Medienkritik zeigten den Songwriter auf dem Höhepunkt seines Könnens. “In Utero” debütierte auf Platz 1 der US-Charts und verkaufte sich weltweit über 15 Millionen Mal – trotz des bewussten Versuchs, es nicht massentauglich zu machen.

“MTV Unplugged in New York” (1994) – Das unerwartete Meisterwerk

Am 18. November 1993 betraten Nirvana die Sony Music Studios in New York für eine Aufzeichnung der MTV-Unplugged-Reihe. Was als Standard-TV-Auftritt geplant war, wurde zu einem der bewegendsten Konzerte der Musikgeschichte. Cobain bestand darauf, die Bühne mit Kerzen und Stargazer-Lilien zu dekorieren – Blumen, die typischerweise bei Beerdigungen verwendet werden. Es war, als wüsste er, was kommen würde.

Die Setlist war ungewöhnlich: Statt der großen Hits spielten Nirvana Coverversionen von David Bowie (“The Man Who Sold the World”), den Meat Puppets (gleich drei Songs, mit den Kirkwood-Brüdern als Gäste) und Lead Bellys “Where Did You Sleep Last Night” – dessen finale Note Cobain mit einer solchen Intensität sang, dass sie einem den Atem raubt. Die eigenen Songs – “About a Girl”, “Come as You Are”, “Pennyroyal Tea”, “All Apologies” – klangen in der akustischen Version verletzlicher und schöner als je zuvor.

Das Album wurde posthum im November 1994 veröffentlicht und verkaufte sich weltweit über fünf Millionen Mal. Es ist eines der meistverkauften Live-Alben der Geschichte und wird von vielen als Nirvanas eigentliches Vermächtnis betrachtet.

Kurt Cobains Tod und das Ende von Nirvana

Anfang 1994 befand sich Kurt Cobain in einer Abwärtsspirale. Seine Heroinsucht war außer Kontrolle, seine Ehe mit Courtney Love zunehmend zerstörerisch, seine chronischen Magenschmerzen unerträglich. Am 4. März 1994 wurde er nach einer Überdosis Champagner und Rohypnol im Römischen Polizini-Hotel in Rom bewusstlos aufgefunden. Er überlebte knapp.

Ende März ließ sich Cobain in die Exodus Recovery Center in Los Angeles einweisen, verließ die Klinik jedoch nach zwei Tagen durch das Fenster. Er kehrte nach Seattle zurück. Am 8. April 1994 wurde seine Leiche im Zimmer über der Garage seines Hauses am Lake Washington Boulevard gefunden. Er hatte sich drei Tage zuvor, am 5. April, mit einer Schrotflinte das Leben genommen. Neben ihm lag ein Abschiedsbrief, adressiert an seinen imaginären Kindheitsfreund “Boddah”.

Cobains Tod löste eine Welle der Traür aus, die weit über die Musikwelt hinausging. Vor seinem Haus in Seattle versammelten sich Tausende von Fans. Seine Witwe Courtney Love las Teile des Abschiedsbriefs über ein Megaphon vor. Eine öffentliche Gedenkveranstaltung im Seattle Center Park wurde von über 7.000 Menschen besucht. In den Wochen nach seinem Tod stieg die Zahl der Anrufe bei Suizid-Hotlines in den USA deutlich an.

Krist Novoselic und Dave Grohl erklärten Nirvana offiziell für beendet. Es gab nie den Versuch, einen Ersatz für Cobain zu finden – ein angemessener Respekt vor einem Künstler, der unersetzlich war.

Einfluss und Vermächtnis von Nirvana

Nirvanas Einfluss auf die Musiklandschaft der 1990er und darüber hinaus ist monumental. Vor “Nevermind” dominierte Hair Metal die Rock-Charts – Bands wie Poison, Warrant und Mötley Crüe mit ihren toupierten Frisuren und belanglosen Texten. Nirvana machten das über Nacht obsolet. Plötzlich war Authentizität gefragt, nicht Glamour. Plötzlich war es cool, verletzlich zu sein, statt unverwundbar.

Der Grunge-Boom, den Nirvana auslösten, brachte Bands wie Pearl Jam, Alice in Chains, Soundgarden und Stone Temple Pilots ins Rampenlicht. Doch Nirvana standen immer im Zentrum der Bewegung. Ihre “Loud-Quiet-Loud”-Dynamik – leise Strophen, die in ohrenbetäubende Refrains explodieren – wurde zur Blaupause für Alternative Rock und beeinflusste Bands von Radiohead über Weezer bis hin zu Green Day und My Chemical Romance.

Dave Grohl gründete mit den Foo Fighters eine der erfolgreichsten Rock-Bands der Folgezeit und trug Nirvanas Erbe in eine neu Ära. Krist Novoselic blieb der Musik und der Politik verbunden. Und Kurt Cobains Bild – das blonde Haar, die zerrissene Jeans, die Sonnenbrille – wurde zur Ikone der 1990er, vergleichbar mit James Deans Bedeutung für die 1950er.

2014 wurden Nirvana in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen – in ihrem ersten Jahr der Wahlberechtigung. Bei der Zeremonie spielten Novoselic und Grohl mit Gastsängerinnen wie Joan Jett, Kim Gordon (Sonic Youth) und Lorde. Es war ein emotionaler Abend, der zeigte, wie tief Nirvanas Musik sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat.

Nirvanas Platz in der Musikgeschichte

Mit nur drei Studioalben und insgesamt 75 Millionen verkauften Tonträgern haben Nirvana ein Erbe geschaffen, das weit über ihre kurze Existenz hinausreicht. “Nevermind” wird regelmäßig in den Top 10 der besten Alben aller Zeiten gelistet. “Smells Like Teen Spirit” steht auf Platz 5 der Rolling-Stone-Liste der 500 größten Songs. Und “MTV Unplugged in New York” gilt als eines der emotionalsten Live-Alben, die je aufgenommen wurden.

Nirvana bewiesen, dass Punk-Attitüde und Mainstream-Erfolg sich nicht ausschließen müssen. Sie öffneten die Tür für eine ganze Generation von Alternative-Rock-Bands und veränderten die Musikindustrie nachhaltig. Die Geschichte des Rock teilt sich in ein Davor und ein Danach – und Nirvanas “Nevermind” ist die Trennlinie. Punk Rock legte die Grundsteine, aber Nirvana brachten die Revolution in den Mainstream.

Wissenswertes und Fun Facts über Nirvana

  • “Bleach” für 606,17 Dollar: Das gesamte Debütalbum kostete exakt 606,17 Dollar Studiogebühren. Cobain lieh sich das Geld von einem Freund, Jason Everman, der auf dem Cover als Bandmitglied aufgeführt ist, obwohl er auf dem Album gar nicht spielt.
  • Das “Nevermind”-Baby: Das Baby auf dem “Nevermind”-Cover ist Spencer Elden, der am Tag des Fotoshootings vier Monate alt war. Sein Vater erhielt 200 Dollar für das Shooting. Elden versuchte später, die Band wegen des Fotos zu verklagen – die Klage wurde abgewiesen.
  • “Smells Like Teen Spirit” – der Ursprung: Der Songtitel stammt von einem Graffiti, das Cobains Freundin Kathleen Hanna (Bikini Kill) an seine Schlafzimmerwand schrieb: “Kurt Smells Like Teen Spirit.” Sie meinte damit das Deo Teen Spirit, das Cobains Ex-Freundin Tobi Vail benutzte. Cobain kannte das Deo nicht und hielt den Satz für einen revolutionären Slogan.
  • Cobains Magenprobleme: Cobain litt sein ganzes Leben unter chronischen, extremen Magenschmerzen, deren Ursache nie eindeutig diagnostiziert wurde. Er beschrieb den Schmerz als “wie brennendes, heißes Blei im Magen”. Diese Schmerzen waren sein Hauptgrund für den Heroinkonsum – das Opiat war die einzige Substanz, die Linderung brachte.
  • Der Kuss auf Saturday Night Live: Bei ihrem Auftritt in Saturday Night Live 1992 küssten sich Cobain und Novoselic auf den Mund – live im nationalen Fernsehen. Es war eine bewusste Provokation gegen Homophobie.
  • Nur 166 Konzerte: In ihrer gesamten Karriere spielten Nirvana in der klassischen Besetzung (Cobain/Novoselic/Grohl) nur etwa 166 Konzerte. Zum Vergleich: Die Rolling Stones spielen in einer einzigen Tour mehr.
  • Grohls Foo Fighters: Dave Grohl nahm das erste Foo-Fighters-Album 1994 komplett allein auf – er spielte alle Instrumente selbst und sang dazu. Es war seine Art, den Verlust von Cobain zu verarbeiten. Die Foo Fighters verkauften anschließend über 30 Millionen Alben.
  • Rock and Roll Hall of Fame 2014: Bei der Aufnahmezeremonie las Cobains Mutter Wendy O’Connor einen Brief vor, in dem sie sagte: “Er wäre hier und er würde genießen, dass er diese Nacht mit seiner Band verbringen könnte.” Es war einer der emotionalsten Momente in der Geschichte der Hall of Fame.

Nirvana waren mehr als eine Band – sie waren ein kultureller Umbruch. Kurt Cobain, Krist Novoselic und Dave Grohl schufen in wenigen Jahren ein Werk, das die Musikwelt für immer veränderte. Ihre Musik klingt auch drei Jahrzehnte nach Cobains Tod so frisch, wütend und verletzlich wie am ersten Tag. Wer die 1990er verstehen will, muss Nirvana hören. Und wer Nirvana hört, wird verstehen, warum dieser Kracher aus Aberdeen, Washington, die Welt zum Beben brachte.

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