10 Rockbands, die Musikgeschichte verändert haben: Wer hat den Rock wirklich neu erfunden?
Wer sind die besten Rockbands aller Zeiten? Diese Frage führt unter Musikfans zuverlässig zu hitzigen Diskussionen, denn die Antwort hängt immer auch vom persönlichen Geschmack ab. Dennoch gibt es Bands, deren Einfluss, Verkaufszahlen und kulturelle Bedeutung so enorm sind, dass sie in jeder seriösen Liste auftauchen müssen. Wir haben uns an die schwierige Aufgabe gewagt und präsentieren unsere Top 10 der größten Rockbands aller Zeiten.
Bewertet wurde nach vier Kriterien: Innovation (hat die Band musikalisches Neuland betreten?), Einfluss auf nachfolgende Generationen (welche Bands wären ohne sie nicht denkbar?), kommerzieller Erfolg (Verkaufszahlen, Chartplatzierungen, Tourneeerfolge) und die Zeitlosigkeit der Musik (klingt sie heute noch genauso gut wie bei der Veröffentlichung?). Eine solche Liste ist natürlich immer auch eine Einladung zur Diskussion, und genau das soll sie sein.
1. The Beatles
The Beatles sind mehr als eine Band. Sie sind ein kulturelles Phänomen, das die Welt in nur acht Jahren (1962-1970) grundlegend verändert hat. Gegründet in Liverpool von John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, revolutionierten die Fab Four die populäre Musik von Grund auf. Von den frühen Pop-Hits wie „She Loves You” und „I Want to Hold Your Hand” über die experimentellen Meisterwerke „Revolver” (1966) und „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” (1967) bis hin zum Abschluss mit „Abbey Road” (1969) zeigten sie eine künstlerische Entwicklung, die in der Musikgeschichte ihresgleichen sucht.
Die Zahlen sprechen für sich: über 600 Millionen verkaufte Tonträger weltweit, 20 Nummer-eins-Hits allein in den USA und ein Einfluss, der sich in praktisch jeder Band findet, die nach ihnen kam. Die Beatles haben das Konzeptalbum erfunden, die Studiotechnik revolutioniert und bewiesen, dass Popmusik Kunst sein kann. Platz eins ist keine Diskussion, sondern eine Feststellung.
2. Led Zeppelin
Led Zeppelin, gegründet 1968 in London von Jimmy Page (Gitarre), Robert Plant (Gesang), John Paul Jones (Bass, Keyboards) und John Bonham (Schlagzeug), haben den Hard Rock praktisch im Alleingang erfunden. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum setzte 1969 neu Massstäbe in Sachen Schwere und Dynamik. Das vierte, unbenannte Album (1971), allgemein als „Led Zeppelin IV” bekannt, enthielt mit „Stairway to Heaven” den wohl berühmtesten Rocksong aller Zeiten, ein achtminütiges Epos, das vom akustischen Intro bis zum donnernden Finale eine ganze Bandbreite an Emotionen abdeckt.
Led Zeppelin verkauften weltweit über 300 Millionen Alben und hielten jahrelang den Rekord für die meisten ausverkauften Konzerte. John Bonham, der 1980 im Alter von nur 32 Jahren starb, gilt bis heute als einer der besten Schlagzeuger aller Zeiten. Sein Drum-Intro bei „When the Levee Breaks” ist eines der meistgesampelten Stücke der Musikgeschichte. Led Zeppelin verbanden Blues, Folk, Hard Rock und Mystik zu einem Sound, der zeitlos ist.
3. The Rolling Stones
The Rolling Stones sind die langlebigste Rockband der Geschichte. Seit 1962, also seit über 60 Jahren, sind Mick Jagger und Keith Richards das kreative Zentrum einer Band, die Dutzende von Hits, Dutzende von Alben und Hunderte von Tourneen absolviert hat. „(I Can’t Get No) Satisfaction” (1965) ist einer der größten Rocksongs aller Zeiten, und Alben wie „Exile on Main St.” (1972) und „Let It Bleed” (1969) gehören zum Kanon der Rockmusik.
Was die Stones besonders macht, ist ihre Authentizität. Während andere Bands Trends folgten, blieben die Rolling Stones sich treu: Gitarrenbasierter Rock’n’Roll mit Blues-Wurzeln. Keith Richards’ offene Akkordstimmungen und Mick Jaggers Bühnenpräesenz sind bis heute unübertroffen. Über 240 Millionen verkaufte Alben und eine aktive Karriere, die sich über sechs Jahrzehnte erstreckt, machen die Stones zu einer einzigartigen Erscheinung in der Musikgeschichte.
4. Queen
Queen waren die Band, die alles konnte: Stadionrock, Oper, Funk, Ballade, Disco und Progressive Rock, oft innerhalb eines einzigen Songs. Gegründet 1970 in London von Freddie Mercury, Brian May, Roger Taylor und John Deacon, schufen Queen einen Sound, der unverwechselbar war. „Bohemian Rhapsody” (1975), ein sechs Minuten langer Song ohne klassische Strophe-Refrain-Struktur, wurde zum größten Hit der Band und ist einer der meistgestreamten Songs des 20. Jahrhunderts mit über 2,3 Milliarden Streams allein auf Spotify.
Freddie Mercury war einer der größten Sänger und Entertainer der Rockgeschichte. Sein Auftritt beim Live-Aid-Konzert am 13. Juli 1985 im Londoner Wembley-Stadion gilt als die beste Live-Performance aller Zeiten, 72.000 Zuschaür folgten seinem „Ay-Oh”-Ruf wie ein einziger Organismus. Queens Gesamtverkäufe liegen bei über 300 Millionen Alben. „We Will Rock You” und „We Are the Champions” werden noch immer in Sportstadien auf der ganzen Welt gespielt. Queens Einfluss auf die Rockmusik ist grenzenlos.
5. Pink Floyd
Pink Floyd haben bewiesen, dass Rockmusik Gedanken und Gefühle transportieren kann, die weit über das hinausgehen, was ein dreiminütiger Popsong leisten kann. Gegründet 1965 in London, schufen Roger Waters, David Gilmour, Nick Mason und Richard Wright (nach dem frühen Ausscheiden von Syd Barrett) monumentale Konzeptalben, die wie kaum etwas anderes in der Rockmusik klingen. „The Dark Side of the Moon” (1973) verbrachte 937 Wochen in den Billboard-Charts, ein Rekord, der wohl nie gebrochen werden wird. Allein dieses Album verkaufte sich über 45 Millionen Mal.
„The Wall” (1979), „Wish You Were Here” (1975) und „Animals” (1977) sind weitere Meilensteine. Pink Floyds Musik ist untrennbar mit ihren legendären Live-Shows verbunden: aufwenwendige Lichtinstallationen, Projektionen und das berühmte aufblasbare Schwein machten ihre Konzerte zu Gesamtkunstwerken. David Gilmours Gitarrenspiel, insbesondere sein Solo in „Comfortably Numb”, gehört zum Besten, was die Rockmusik je hervorgebracht hat.
6. AC/DC
AC/DC sind der Beweis, dass Einfachheit eine Tugend sein kann. Gegründet 1973 in Sydney von den schottischen Brüdern Angus und Malcolm Young, spielen AC/DC seit über fünf Jahrzehnten im Kern den gleichen Song, und jedes Mal funktioniert er. Das ist kein Vorwurf, sondern die höchste Form des Kompliments. „Back in Black” (1980), das erste Album mit Sänger Brian Johnson nach dem Tod von Bon Scott, ist mit über 50 Millionen verkauften Exemplaren eines der meistverkauften Alben der Musikgeschichte.
Songs wie „Highway to Hell”, „Thunderstruck”, „T.N.T.” und „Back in Black” sind die Essenz des Rock: einfache, treibende Riffs, ein groovender Rhythmus und Texte, die das Leben feiern. Angus Youngs Gitarrenriffs sind so ikonisch, dass sie in Millisekunden erkennbar sind. AC/DC haben weltweit über 200 Millionen Alben verkauft und sind live eine der energetischsten Bands überhaupt.
7. The Who
The Who, gegründet 1964 in London von Roger Daltrey, Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon, waren Pioniere in nahezu jedem Aspekt der Rockmusik. Sie erfanden das Konzeptalbum mit „Tommy” (1969), die Rockoper, und beeinflussten mit ihrer zerstörerischen Energie den Punk Rock, Jahre bevor es Punk gab. „My Generation” (1965) mit der Zeile „I hope I die before I get old” wurde zur Hymne einer ganzen Jugendbewegung.
Keith Moon, der 1978 im Alter von nur 32 Jahren starb, war der wildeste und unberechenbarste Schlagzeuger der Rockgeschichte. Sein explosives, chaotisches Spiel definierte den Sound der Band. Pete Townshends Windmühlen-Gitarrentechnik und seine scharfsinnigen Texte machten ihn zu einem der besten Songwriter des Rock. „Who’s Next” (1971) mit „Baba O’Riley” und „Won’t Get Fooled Again” gilt als eines der besten Rockalben aller Zeiten. The Who waren zudem eine der ersten Bands, die riesige Stadionkonzerte spielten, und ebneten damit den Weg für alle Arena-Rock-Bands, die nach ihnen kamen.
8. Guns N’ Roses
Guns N’ Roses kamen, sahen und eroberten. Ihr Debütalbum „Appetite for Destruction” (1987) ist mit über 30 Millionen verkauften Exemplaren das meistverkaufte Debütalbum der Musikgeschichte. In einer Zeit, als die Haarspray-Bands von Los Angeles den Sunset Strip dominierten, brachten Axl Rose, Slash, Duff McKagan, Izzy Stradlin und Steven Adler eine Rohheit und Gefahr zurück in den Rock, die seit den frühen Rolling Stones nicht mehr dagewesen war.
„Welcome to the Jungle”, „Sweet Child o’ Mine” und „Paradise City” sind drei der größten Rocksongs der 1980er Jahre, und Slashs Gitarrensolo in „Sweet Child o’ Mine” ist eines der berüehmtesten Riffs aller Zeiten. Die Doppelalben „Use Your Illusion I” und „Use Your Illusion II” (beide 1991) zeigten die musikalische Bandbreite der Band, von dem neunminütigen Epos „November Rain” bis zum rohen Punk von „You Could Be Mine”. Guns N’ Roses waren die letzte große Rockband der alten Schule, bevor Grunge alles veränderte.
9. Black Sabbath
Black Sabbath haben ein komplettes Genre erfunden. Als Tony Iommi, Ozzy Osbourne, Geezer Butler und Bill Ward 1968 in Birmingham zusammenfanden, schufen sie einen Sound, der dunkler, schwerer und bedrohlicher war als alles, was es zuvor gegeben hatte. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum (1970) und insbesondere „Paranoid” (1970) mit den Songs „Iron Man”, „War Pigs” und dem Titelsong legten den Grundstein für den Heavy Metal.
Ohne Black Sabbath gäbe es kein Metallica, kein Iron Maiden, kein Slayer und letztlich auch keinen Grunge. Tony Iommis heruntergestimmte, wuchtige Riffs, die er trotz seiner abgetrennten Fingerkuppen spielte, sind die DNS des Metal. Ozzy Osbournes eigenwilliger Gesang wurde zur Blaupause für Generationen von Metal-Sängern. Mit über 70 Millionen verkauften Alben und einem Einfluss, der bis heute in praktisch jeder harten Rockband spürbar ist, sind Black Sabbath eine der einflussreichsten Bands der Musikgeschichte.
10. Nirvana
Nirvana hatten nur drei Studioalben und existierten effektiv nur sieben Jahre (1987-1994). Und doch veränderten sie die Musikwelt stärker als Bands, die Jahrzehnte lang aktiv waren. Kurt Cobain, Krist Novoselic und Dave Grohl brachten mit „Nevermind” (1991) den Alternative Rock in den Mainstream und machten die polierten Rockbands der 1980er Jahre über Nacht obsolet. „Smells Like Teen Spirit” wurde zur Hymne der Generation X und ist einer der wichtigsten Songs der Rockgeschichte.
Was Nirvana so besonders machte, war die Kombination aus Pop-Melodien und Punk-Energie, verpackt in eine rohe, ehrliche Ästhetik. Kurt Cobains Songwriting war gleichzeitig eingängig und tiefgründig, sein Gesang pendelte zwischen verletzlichem Flüstern und verzweifeltem Schreien. Das „MTV Unplugged in New York” Album zeigt die andere Seite der Band: leise, verletzlich und zutiefst berüehrend. Nirvana beweiesen, dass man kein Virtuose sein muss, um Meilensteine zu schaffen. Manchmal reichen drei Akkorde und die Wahrheit.
Honorable Mentions
Eine Top-10-Liste ist immer auch eine Übung im Weglassen. Diese fünf Bands hätten es ebenfalls verdient, in jeder Bestenliste aufzutauchen:
Ärosmith: Die „Bad Boys from Boston” um Steven Tyler und Jö Perry lieferten mit „Toys in the Attic” (1975) und „Rocks” (1976) zwei der besten Hard-Rock-Alben der 1970er Jahre. Ihr Comeback in den 1990er Jahren mit Hits wie „I Don’t Want to Miss a Thing” bewies bemerkenswerte Langlebigkeit. Über 150 Millionen verkaufte Alben machen sie zu einer der kommerziell erfolgreichsten Bands der Geschichte.
Deep Purple: Mit „Machine Head” (1972) und dem legendären Riff von „Smoke on the Water” schufen Ritchie Blackmore, Ian Gillan und Co. einen der Grundsteine des Hard Rock. Das Riff ist vermutlich das erste, das jeder angehende Gitarrist lernt. Deep Purple hielten zudem zeitweise den Guinness-Rekord als lauteste Band der Welt.
Foo Fighters: Dave Grohl bewies nach dem Ende von Nirvana, dass er weit mehr als nur ein großartiger Schlagzeuger war. Mit Songs wie „Everlong”, „The Pretender” und „Learn to Fly” sowie einer unvergleichlichen Live-Energie machten die Foo Fighters sich zur wichtigsten Rockband der letzten drei Jahrzehnte. Über 30 Millionen verkaufte Alben und zahlreiche Grammys unterstreichen das.
U2: Die irische Band um Bono und The Edge hat mit Alben wie „The Joshua Tree” (1987) und „Achtung Baby” (1991) Rockgeschichte geschrieben. Ihre Stadiontourneen gehören zu den erfolgreichsten der Musikgeschichte, die „360 Tour” (2009-2011) ist mit über 736 Millionen Dollar Umsatz die bis heute umsatzstärkste Tournee aller Zeiten. Über 170 Millionen verkaufte Alben sprechen für sich.
Metallica: Die meistverkaufte Metal-Band aller Zeiten (über 125 Millionen Alben) hätte in einer reinen Metal-Liste Platz eins verdient. „Master of Puppets”, „Ride the Lightning” und das „Black Album” gehören zum Kanon der Rockgeschichte. In einer genreübergreifenden Rock-Liste landen sie knapp ausserhalb der Top 10, was nichts an ihrer epochalen Bedeutung ändert.
Fazit
Die besten Rockbands aller Zeiten zu küren ist ein Unterfangen, das nie alle zufriedenstellen wird, und genau das macht es so reizvoll. Musik lebt vom persönlichen Zugang, von Erinnerungen und Emotionen, die sich nicht in Verkaufszahlen messen lassen. Für den einen ist es das erste Mal „Stairway to Heaven” auf dem Walkman, für den anderen der Moment, als „Smells Like Teen Spirit” zum ersten Mal aus dem Radio drang.
Eines ist jedoch sicher: Die Bands auf dieser Liste haben die Musikgeschichte geprägt, Millionen von Menschen berührt und Masstäbe gesetzt, an denen sich jede nachfolgende Generation messen muss. Von den Beatles bis Nirvana, von den 1960er Jahren bis in die 1990er: Die Geschichte des Rock ist die Geschichte dieser Bands. Und sie wird weitergeschrieben, denn die Gitarren werden nie verstummen.